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Nee, was geht mir die deutsche Fernsehlandschaft aktuell auf den Sack. Ich entschuldige mich für diese unverblümte Ausdrucksweise, aber anders ist die Verärgerung nicht kundzutun. Bei dem, was dem Zuschauer da aktuell geboten wird, kann man echt nur den Kopf schütteln.

Da wird wochenlang ein Boxkampf promotet, der in der 1. Runde bereits endet und im Nachhinein auf Pressekonferenzen für mehr Action als im Ring sorgt.

Bei DSDS wird ein mal ganz kurz “versehentlich”ein Zahlendreher bei den Telefonnummern gezeigt und das CSI Wanne-Eikel ermittelt nun, ob es Absicht war, um eine weitere Sendung zeigen zu können und somit das Finale eine Woche weiter zu schieben – in eine Woche, in der man nicht gegen “Wetten, das …?” antreten muss. Außerdem sollen nun die Anrufer ihre Kohle zurück bekommen, wie auch immer so etwas funktionieren soll. Und last but not least zählen die Anrufe bis zum Zahlendreher für die nächste Sendung. Warum dann nicht einfach auch für die vergangene Show? Ach ja, den Gesang oder wie auch immer man das bei manchen Kandidaten nennen soll, hat aufgrund des Skandals keiner mehr interessiert.

Als der Kack vorbei war, habe ich zu ProSieben geschaltet. In dem Moment verlor Raab ein Spiel und die Gegnerin (ja, man wählte eine Frau, vermutlich, damit Raab mal wieder gewinnt) bekam 11 Punkte. Wie ich dann sehen musste, hatte sie aber erst 7 durch 2 gewonnene Spiele, den Rest hatte Raab gewonnen der bereits 48 Punkte hatte. Es kam, wie es kommen musste und Stefan Raab gewann. Da war es dann aber auch schon früher Morgen. Gähn!

Gestern schaute ich dann entgegen meiner Aussage doch noch mal die Regina-Halmich-macht-schlank-Show, in der man Menschen in bunten T-Shirts beim Schwitzen beobachten kann. Und was soll ich sagen? Es war wie immer. Dicke Menschen schwitzten beim Sport, wurden mit Frikadellchen und Schokolade in Versuchung geführt und am Ende musste ein Team die Show verlassen. Diesmal traf es Team Schwarz, die ich wegen ihrer eher unauffälligen Art kaum wahrgenommen hatte. Warum auch immer erhalten diese aber die Chance, in das Camp zurückzukehren, was ich total doof finde. Entweder man ist raus oder nicht.

Warum müssen Regeln immer komplizierter werden? Früher gab es Shows mit Spielen und wer verlor, war raus. Ende. So einfach geht es und es machte Spaß. heute fliegt man raus, kann aber wieder rein und keiner kapiert so recht, was das soll. Aber egal, der Fernsehzuschauer von heute ist eh doof und schluckt wie ein Lemming alles, was ihm telemedial vorgesetzt wird. So scheinen es zumindest die Fernsehender zu glauben.

Das bringt mich dazu, mich in letzter Zeit einfach von amerikanischen Krimiserien berieseln zu lassen, bis ich in der Mitte der Sendung auf der Couch einnicke. Dann wache ich mitten in der Nacht auf und bin keineswegs verärgert, das Ende der Sendung verpasst zu haben, weil es schlichtweg egal ist. Und dann mache ich den Kasten aus und gehe ins Bett. Das Fernsehen als bessere Einschlafhilfe – nicht mehr als Unterhaltungsmedium. Ob das vom Erfinder so gedacht war?

…hält RTL natürlich mit der Kamera drauf ;) . In 4 Folgen dürfen wir uns dann anschauen, wie es aussieht, wenn Chefs von großen Unternehmen mal in die Rolle des Angestellten schlüpfen. Ab nächsten Montag (28.03) geht es los um 21:15 zeigen dann Führungskräfte ob sie sich auch unterordnen können, natürlich nur für eine Woche, denn danach ruft ja wieder das gemütliche Büro ;) .

Damit die Angestellten das anwesende Kamerateam auch glaubwürdig erklärt werden kann, erzählt man diesen, dass es sich hier um eine TV-Doku handelt, in dem ein Arbeitsloser beim Probearbeiten gezeigt wird. Erst nach einer Woche wird der Chef dann sein wahres Gesicht zeigen. Ob da Köpfe rollen, ob da über den Chef gelästert wird, was passieren wird? Ja, dass sehen wir alles ab Montag.

In der 1. Folge sehen wir Mika Ramm. Mika Ramm ist Geschäftsleiter der Firma Eismann, fährt also nicht von Tür zu Tür sondern sitzt normalerweise in seinem Büro 3000 Angestellte hat die Firma Eismann und diese erzielen zusammen mit den Tiefkühlprodukten (die im Direktvertrieb verkauft werden) einen Jahresumsatz von über 500 Millionen €. Mika schaut sich nun also mal die Basis an, weitere Teilnehmer von Undercover Boss kommen z.B. von DIXI (ja die Toiletten) und aus der Führungsebene der Best Western Hotels. Wir dürfen also mal gespannt sein… …ich schau es mir an, ihr auch?

Undercover Boss … anders rum könnte ich mir das übrigens auch ganz gut vorstellen, fände es interessant wenn mal ein Mitarbeiter von der Basis in der Chefetage Klartext reden würde / könnte, denn oft haben die Mitarbeiter die besten Ideen.

Auch dieses Jahr verschont man uns nicht. Wieder hat Regina Halmich 18 extrem übergewichtige Menschen zum extremen Abspecken eingeladen. Diesmal allerdings nicht nach (auf?) Malle (Mallorca – nicht Malediven, wir sind schließlich nicht bei RTL, sondern bei Kabel eins), sondern nach Ischgl in Tirol. Paarweise, also in 9 Teams ging es bereits in der letzten Woche an den Start und wie auch schon im Vorjahr musste sich jedes Team in Zelte T-Shirts einer bestimmten Farbe hüllen, damit die Brummer televisuell besser unterscheiden kann. Warum sich die Kandidaten, die gerne auch mal 180 kg auf die Waage bringen, beim Wiegen dieser T-Shirts die selbst in 10XL kaum ein Kilo auf die Waage bringen werden, bleibt wohl das Geheimnis von Kabel eins. Und so dürfen wir uns unförmige Menschen ohne Oberbekleidung ansehen.

Neben der Waage sind zum Glück alle meistens bekleidet (außer beim Schwimmen) und so gibt es für Team Rot (Björn und Martin), Blau (Kathrin und Christopher), Türkis (Melanie und Katrin), Rosa (Sabine und Roger), Schwarz (Frank und Jörg), Grün (Müjdat und Melanie), Violett (Elena und Peter), Gelb (Peggy und Tina) und Braun (Marco und Carlo) neben Tipps zur Ernährungsumstellung und reichlich Sport mit Silke Kayadelen und Andreas Büdeker auch diverse Wettkämpfe, die alle schweißtreibend sind, aber dafür auch mit tollen Belohnungen aufwarten.

Zwischendurch sabbelt Regina Halmich immer auswendig gelernte, aber eher robotermäßig wiedergegebene Sprüche und Randbemerkungen raus, welche die ehemalige Boxerin irgendwie unecht wirken lassen. Schläge auf den Hinterkopf mögen das Denkvermögen fördern, aber Schläge mitten auf 12 anscheinend nicht.

Nun lief gestern bereits die 2. Sendung, die aber vor Langweile nur so strotzte, da die Paare, die für  – meist negative – Stimmung gesorgt haben, bereits in der letzten Woche raus gewählt wurden bzw. das Bootcamp freiwillig verließen. Somit waren in der letzten Woche schon Team Grün (Aufgabe wegen Trennung) und Team Gelb raus. Und gestern traf es eigentlich Blau, aber da Team Türkis krankheitsbedingt aufgab, durfte das allstimmig raus gewählte blaue Team bleiben – megapeinlich!

Die nächsten Sendungen werde ich mir definitiv nicht mehr antun – sorry. Ich kann keine fast nackten Übergewichtigen mehr sehen. Erst wieder im Sommer im örtlichen Freibad …

Seit 15 Jahren arbeitet Ursula Hoyer in der Weinstube Dietz, seit 2003 gehört ihr das unter Denkmalschutz stehende Etablissement sogar. Dennoch wird bei der leicht lethargisch wirkenden 45-Jährigen schnell klar, woran es hapert: mangelnde Konsequenz. Und viel schlimmer: mangelnde Weinkenntnisse. Und das nicht nur bei der Blondierten selbst, sondern auch beim gesamten Personal, dass die Ja-Sagerin aber eh nicht unter Kontrolle hat.

Und so ruft sie Christian Rach ins bayrische 14.000-Seelen-Dorf Mindelheim, damit er de n Psychologen raushängen lässt. Was das ganze noch mit Kochen zu tun hat, entzieht sich meiner Kenntnis, aber egal. Die Hobbyköchin lässt ihm halbwegs brauchbare Speisen servieren, gibt sich sonst aber eher wortkarg. Die seit 1895 existierende Weinstube hat 7 Tage die Woche geöffnet, was ihren Burnout erklärt.

Also verordnet der Sternekoch folgende Therapiemaßnahmen: die Einführung eines Ruhetags, die Einnordung des Servicepersonals sowie eine Weinschulung für alle. Außerdem soll ein wenig umgeräumt werden, damit die Nebenräume besser genutzt werden können. Gesagt, getan. Zusammen mit ihrer Freundin und ungelernter Servicekraft Karin Schulz macht sich Uschi an die Umsetzung der Vorgaben, stößt dabei allerdings erneut an ihre Grenzen. Die Personalversammlung endet im Zickenkrieg, bis Rach ein Machtwort spricht.

Danach läuft natürlich alles super, es wird geräumt, geputzt, es gibt neue Gerätschaften und einen neuen Bereich namens Brentano – Stube. Der Sonntag wird als Ruhetag auserkoren, da dieser laut Steuerberater am umsatzschwächsten ist. Nach 8 Wochen kehrt der Restauranttester an den Ort des geschehens zurück und muss feststellen, dass noch immer wenig los ist und Ursula sich nicht an die Abmachung gehalten hat. Mit der Begründung “Die leute müssen sich erst daran gewöhnen.” gab es erst 2 Sonntage, an denen die Weinstube Dietz geschlossen war.

Nach seinem Standardsatz, dass er sich unter der und der Voraussetzung keine Sorgen um den Laden machen brauche, verließ er das Lokal, dessen Pleite vermutlich nur durch diese RTL-gesponserte Publicity verhindert wird. Ich fordere einen weiteren Besuch nach einem längeren Zeitraum.

Ich weiß nicht, nach welchen Kriterien RTL die notleidenden Restaurants beziehungsweise deren Betreiber auswählt, aber diesmal ging es wieder stark in die Richtung des aktuellen DSDS-Mottos: lass uns Leute vorführen, die für einen Großteil der Menschheit nicht mehr alle Latten am Zaun haben. Und so ging es in der gestrigen Folge von “Rach, der Restauranttester” zu einem italienischen Restaurant nach Ludwigshafen. Christian Rach steht also vor einen Fensterfront, an der von innen ein Karton klebt, auf dem “Trattoria Fellini al Teatro” steht.

Drinnen erwarteten ihn die drei “K”: Kunst, ein Künstler und ein Koch. Die beiden Geschäftsführer und gleichzeitig einzig Angestellten Michele Pennella (39, gelernter Koch) und Michael Meier di Santi (45, Diplom-Irgendwas und Künstler) versuchen wohl seit drei Jahren mit ihrem Konzept beim Gast zu landen. Das Anspruchsdenken ist hoch, man sieht die Klientel im Theater- und Künstler- bzw. Kunstliebhaberbereich. Rachs einfache Frage dazu: “Wovon lebt ihr?” wirft eine Antwort auf, die eher tragisch ist: Freunde haben den beiden Traumtänzern Kredite gegeben.

Es folgte die Bestandsaufnahme, die zu Tage förderte, dass der ganze Kunstkrempel Platz kostet, es aus Gründen falscher Konzessionierung nur Platz für 14 Gäste gibt, die aber eh nicht bedient werden könnten, da der Koch aufgrund fehlender Vorbereitung viel zu langsam ist. Die nur 7 m² kleine Küche ist ein Chaos, halb defekt, halb nicht bezahlt und noch in Schutzfolie gehüllt, für den Fall, dass die Geräte wieder abgeholt werden. Das Gas für den Herd kommt aus einer Gasflasche, einen Dunstabzug gibt es nicht. Es gibt nur eine handvoll Teller und Gläser. Der Keller ist ebenfalls grausig, wahl- und planlos vollgestellt mit Kartons, die Geschirr, Klopapier und Lebensmittel enthalten. Die Regale, auf die man den Kram räumen könnte, stecken in den Kartonbergen.

Schnell wird klar, warum die beiden Verantwortlichen schwarz tragen, denn eigentlich müsste man den Laden direkt zu Grabe tragen. Aber Christian Rach tut, was ein Sternekoch bei RTL tun muss: Er holt ein paar Küchenprofis, erweitert die Konzession, schmeißt Kunst raus, um Platz für weitere Gäste zu schaffen. Leider tauchen die Betreiber zum vereinbarten Küchenmontagetermin nicht auf, da sie müde waren. Rach droht medienwirksam damit, die Sache hinzuschmeissen und schon brummt es. Dem Koch wird gezeigt, wie er sich in seiner neuen Küche organisiert, dem Künstler, der gleichzeitig Servicekraft ist, wird ein Haargummi geschenkt. Ins Fenster kommt der Name in größeren Buchstaben – direkt geklebt, nicht wieder auf einen Karton geschrieben.

Zur großen Neueröffnung ist der Laden wie üblich voll(er Statisten?), aber bei der Nachkontrolle einige Wochen später auch schon wieder leer, da die beiden Italiener lieber abwarten, dass die Leute zu ihnen kommen, anstatt aktiv zu akquirieren. Dafür hat Christian Rach dann Flyer mitgebracht, auf denen ins Restaurant eingeladen wurde. Vermutlich hätte besser “Restaurant in guter Lage (direkt am Theater) zu vermieten!” drauf gestanden.

Am gestrigen Montag, den 10.01.2011, war es endlich so weit: Christian Rach, der Sterne-Koch aus Hamburg, wie er von RTL so gerne bezeichnet wird, startete in die 5. Staffel von Rach, der Restauranttester, seiner Coachingshow, in der er maroden Restaurants und deren Besitzern wieder auf die Beine hilft.

Dieses Mal ging es nach Bayern, es hieß also nicht “Ein Bayer auf Rügen”, sondern “Ein Hamburger in Bayern”. Das wäre ja aber gar nicht so tragisch. Viel schlimmer war, dass das Motto der gestrigen Sendung “Ein Franzose in Bayern” oder so. Das wiederholte der Christian Rach nämlich ständig. Doch eigentlich machte sich bei den meisten Zuschauern erst einmal Enttäuschung breit: Christian Rach betrat ein sauberes Restaurant und bekam halbwegs leckeres Essen mit kleinen in der Mikrowelle erwärmten Ausnahmen. Warum flog Christian Rach also nach Bayern?

Bereits am Flughafen gab es die Antwort, denn dort arbeitet Tanguys Frau Monika Doron, die den Laden ihres Mannes wohl mit ihrem Gehalt am Leben hielt. Das machte den Mann mir schon direkt unsympathisch, denn es handelte sich nicht um eine  ein- oder zweimalige Hilfe, sie unterstützte ihn schon geraume Zeit finanziell. Doch warum spülte der Laden kein Geld in die Kasse? Weil der kleine Franzose sich in den Kopf gesetzt hatte, in einem Wohngebiet in einem bayerischen Ort ein französisches Restaurant zu eröffnen, auf dessen Speisekarte Muscheln, Froschschenkel und andere Leibspeisen der Menschen aus dem Land des Eiffelturms zu finden waren. Da waren wir auch schon beim nächsten Problem, denn neben schlechter Lage und für die Gegend falscher Speisekarte hatte die Gaststätte keinerlei französisches Flair. Einzig ein Bild des besagten Eiffelturms konnte das Klischee der deutschen Kundschaft erfüllen. Ansonsten sah es aus wie eine italienische Pizzeria, was hauptsächlich daran lag, dass es vorher auch eine war, Tanguy das Inventar so übernommen und fast unverändert gelassen hat.

Der Auftrag war klar: entweder den Laden aufgrund der miesen Lage schließen oder aber mehr Klischees erfüllen und die Speisekarte den bayrischen Essgewohnheiten anpassen. Man entschied sich für die zweite Lösung, verpasste dem Laden einen neuen Anstrich, der meiner Meinung nach aber auch kein französisches Flair widerspiegelte, hing ein paar mehr Bilder auf, stellte ein altes Weinfass in den Gastraum und kreierte eine Brotzeit mit französischem Einschlag.

Und schwupp, da war die Hütte voll und auch beim Kontrollbesuch war wie so oft in diesem Format alles super. Friede, Freude, Eierkuchen … oder Crêpes, wie es in Frankreich heißt. Ganz ehrlich, obwohl Rach sich nach eigener Aussage bei der Interaktion mit dem Mann mit dem französischen Akzent köstlich amüsiert hat und diese Folge zu seinen liebsten zählt, fand ich es eher zum Abschalten. Der Franzose, der zweimal im Monat 370 km in den Elsass fährt, um dort in der Metro, immerhin ein deutscher Großhandelsladen, einzukaufen, war langweilig, ein Ja-Sager und zwischendurch auch ein beleidigtes Leberwürstchen. Und letztendlich wurde ein wenig der (falsche?) Eindruck vermittelt, dass man keine Standortanalyse vor der Geschäftseröffnung betreiben muss. Denn wenn es mal nicht läuft, braucht man nur einen Maler kommen lassen. Und ein Kamerateam von RTL. Und schon brummt der Laden. Schöne heile Welt.

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