Ein weiterer Samstagabend (13.11.2010), an dem ich mich aufopferungsvoll vor den Fernseher begeben habe, um mir auf RTL die 9. Folge von “Das Supertalent” anzusehen. So langsam frage ich mich echt, wie viele von diesen Castings wir noch ertragen müssen, bevor es mit denen weitergeht, die schon weitergekommen sind. Sicherlich wird dann aber auch der Redefluss von Marco Schreyl und Daniel Hartwich zunehmen, so dass ich mir dann doch lieber die Castings reinziehe. Nach dem Einzug der Jurymitglieder Sylvie van der Vaart, Bruce Darnell und Dieter Bohlen ging es dann auch endlich los.
Christian Vogel, 53, aus Passau
Er tanzt leidenschaftlich gerne, redete etwas langsam, sein Auftreten war eher fragwürdig. Hat auf dem Weg zum Supertalent Bohlens Buch “Nur die Harten kommen in den Garten!: Der Weg zum Superstar” gelesen, was ihn “sehr unterstützt” hat. Nach elendig langem Gesülze führte er dann auch was vor, für das selbst die Bezeichnung “grottig” noch zu harmlos erscheint. Das Leute sich freiwillig vor einem Millionenpublikum zum Affen machen, erstaunt mich immer wieder. Letztendlich buzzerten alle 3 Juroren und das zurecht. Bruce machte noch einen lustigen Kommentar und letztendlich war er natürlich nicht weiter.
Antonio Martino, 10, und Lukas Wolf, 11, beide aus einem Ort, den ich von keinem der beiden richtig verstanden habe
Machten eine Breakdanceshow, die “Light and Shadow” hieß. Einer war halt weiß gekleidet und geschminkt, der andere Junge schwarz. Anlass genug für Dieter, mit Bruce auf den schwarz-weiß-Zug aufzuspringen. Die zwie Jungs tanzen seit einem Jahr und performten heute zu “Toccata And Fugue” von Vanessa Mae. Der Auftritt war nicht schlecht für zwei so junge Burschen. Da gab es nichts zu lästern. Bruce und Sylvie fanden es gut, Dieter hielt sie für zu jung, aber zwei Stimmen reichen ja zum Weiterkommen. Dafür schüttelten die Jungs der Jury auch artig die Hand.
Anna-Marie “Rosi” Cerna, 65, aus Riedstadt
Singt sehr gerne und die Tochter meinte wohl, dass ihre Mutter die beste Sängerin der Welt sei und bei Das Supertalent teilnehmen müsste. Sie gab das klassische Lied “Eine Nachtigal” (?) in der original russischen Version. Alle buzzerten recht früh, doch die Dame sang unbeirrt weiter. Vielleicht hörte sie es einfach nicht. Als das Publikum buhte, fragte sie zickig, ob sie denn jetzt zu ende singen dürfte. Dann laberte sie was von Fairness und sang weiter während das Publikum zeitgleich weiter buhte – insgesamt eine interessante Mischung. Dieter und Bruce spielten derweil Tic Tac Toe. Anna-Marie wollte dann noch die Margarete von Mephisto singen und verlangte etwas mehr Toleranz. Bruce buzzerte fröhlich weiter, aber die beratungsresistente Dame sang einfach. Manche haben den Knall echt nicht gehört, sie dass buzzern wohl nicht. Oh Wunder, nicht weiter, woraufhin sie natürlich beleidigt war.
Theo Blaickner, 61, eigentlich Bildhauer und Maler
Showname “Der Traum vom Fliegen”. Ein Steinadler, ein Pferd (Friese). Das Publikum durfte nicht klatschen, wenn der Adler fliegt. Dieter wollte lieber ein fliegendes Pferd und einen wiehernden Adler. Der Adler sollte zum alles voll kackenden Pferd zurück fliegen. Das Pferd verbeugte sich und der Adler kam anflogen auf die Faust des Reiters Theo. Das Talent habe ich persönlich nicht verstanden, aber vermutlich nur, weil ich keine Ahnung habe. Obwohl das Publikum es auch nicht gut fand. Er entschuldigt sich, dass das Pferd nicht “funktioniert” hat. Sprach Dieter mit Udo an. Mehrfach, trotz Zurechtweisung durch Bruce? Dann wollte er Dieter den Adler auf die Faust setzen. Machte er dann auch. Dieter flötete ihn an, doch der Adler reagierte nicht. Dann wollte Dieter noch aufs Pferd, machte er auch und ritt ‘ne Runde. Sein Auftritt war besser als Theos und die Moral von der Geschicht’: Nicht weiter.
Dr. Welf Haeger, 47, Bochum
Der lustige Rechtsanwalt, bekannt durch seine Auftritte bei TV Total, w ich seine Stand-up Comedy, aber leider auch schon richtig schlecht fand. Er will seine Lieblingsrolle, den Liebes-Guru präsentieren. Es wird recht flott gebuht und da muss ich sagen: das traut sich das Publikum beim Raab nicht. Daraufhin bedankte er sich und ging sofort. Obwohl er nicht wollte, brachte das Moderatorenteam ihn zurück. Er ging aber erneut lachend von die Bühne. Peinlich hoch 5.
Lina Arndt, 13, Berlin-Kreuzberg, Gymnasiastin
Riesige Patchworkfamilie. Frech, schon 3 Tadel an der Schule. Stiefvater ist Tätowierer und ihr peinlich. Zum Casting daher mit Mutti. Mutter ist vom Gesang ihrer Tochter überzeugt. Wirkte auf der Bühne erst schüchtern, drehte dann aber auf. Will Schauspielerin werden. Freche Art wie Lena Meyer-Landrut. Sang “Use Somebody” in der Version von Pixie Lott (eigentlich von Kings of Leon). Machte sie echt gut. Volk und Jury begeistert – weiter. Nix zu lästern.
Agnes Helmert, 53
Der Name täuscht darüber hinweg, dass eine wohlgenährte Farbige (nicht abwertend gemeint) die Bühne betrat. Sie sang “My heart belong to my god”, ein selbst geschriebener Gospel-Titel. Die Arbeitslose, die vorher in einer Schokoladenfabrik gearbeitet und dadurch zugenommen hat (weshalb sie aufgehört hat), sang trotz Erkältung ihr Lied, natürlich ohne musikalische Begleitung. Dieter animierte das Publikum dazu, mitzuklatschen. Bruce sagt, sie kann nicht singen, sie schiebt es auf die Erkältung. War natürlich nicht weiter.
Stella Zigouras, 39, Sekretärin aus München, eigentlich aus Australien
Sie ist seit 8 Jahren in Deutschland und hat einen sechsjährigen Sohn, dem sie alles ermöglichen möchte. Sie hat Gesang gelernt und sang heute “Hallelujah” von Leonard Cohen, was sie auch super macht. Wieder nix zu lästern, außer vielleicht, dass Bruce, der olle Klammeraffe, sie natürlich umarmen wollte und es auch tat, bevor er mal wieder halb weinend rumjammerte. Mit einem Riesenlob von Sylvie und Bruce weiter, auch wenn Dieter Gefühlsmangel attestierte und kein ja gab.
Marcel Kaupp “Marcella Rockafella”, 22, aus Köln
Ist ein männliches Lady Gaga-Double. Performt “Bad Romance” inkl. für mich grausigem Gesang. Warum auch immer mochte das Publikum “Sir Lady Gaga”. Die Jury irgendwie auch. Wobei ich Kölner Männer in Frauenklamotten jetzt nicht mehr für etwas Ungewöhnliches halte. Es gab zweimal ein ja und er (sie?) war weiter.
Zachi Noy, 57, Tel Aviv
Kennt man als den Dicken aus den Softpornokomödien “Eis am Stiel“. Wollte in Lederhosentracht eine andere Seite von sich präsentieren und singen und zwar “Wenn ich einmal Reich wär (Anatevka)
“. Das war leider grottig, ohne Gespür für die Musik. Es machte den Eindruck, als hätte er eine Wette verloren. Sylvie und Bruce buzzerten, das Publikum buhte und Sylvie verstand nicht, warum ein Schauspieler so etwas macht. Zurecht gab es dreimal ein nein. Der Promibonus zieht zum Glück nicht immer.
Peter Stohl, 43
Machte eine tolle Beatboxnummer mit bekannten alten Nummern aus verschiedenen Jahrzehnten. Fand ich persönlich sehr geil, das Publikum auch. Die Jury fand es richtig gut. Auch dazu gab es also nichts zu lästern. 3 x ja und verdient weiter.
Dann gab es eine kleine Vorschau auf die Entscheidungen in der nächsten Woche, in der die einzelnen Acts der vergangenen Shows bewertet werden und eventuell weiter gelassen werden.









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