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Samstag, der 06.11.2010. In der Fernsehzeitschrift steht “Das Supertalent”. Gegen 18.00 Uhr der Anruf bei Jens:

Ich: “Schreibst Du über Supertalent? Ich hab letzte Woche …”
Jens: “Nee, ziehe heute mit Kumpels durch Münsters Thekenlandschaft. Wir gucken uns die Supertalente der Barkeeper und anwesenden Damen an.”
Ich:
“Na toll!”
Jens: “Prost!”

Gegen 19.45 Uhr lege ich mir Notizblock und Stift zurecht, noch nicht ahnend, dass die Sendung bis 23.00 Uhr gehen wird. Am Ende der Sendung habe ich 11 (!) DIN A5-Seiten voll gekritzelt und schlafe direkt ein, weshalb ich den Beitrag erst jetzt schreiben kann. Hoffentlich kann ich alles entziffern.

Die Einleitung machte noch immer das bewährte Moderatorenteam Hartwich / Schreyl, die aber erfreulicherweise immer weniger zu sehen sind (so zumindest mein Eindruck). Die Jury präsentierte sich wie immer: Bruce Darnell im Anzug, Sylvie van der Vaart in schicken kurzen Kleidchen und Dieter in Jeans und lässigem Poloshirt. Und dann ging es endlich los:

Harald Edmund (oder Edmond) Fritz, 53, aus Köln
Harald, von RTL “Der Powerman” genannt, war am 16.10.2009 schon einmal da, hatte damals Probleme mit seinem Verstärker und will sich dieses Jahr nach eigener Aussage “für die Revanche revanchieren”. Diese Aussage erklärt eigentlich alles. Dieses Jahr macht er einen Soundcheck, verlangt ständig nach mehr Power (daher der Spitzname) im Mikrofon, anstatt einfach lauter zu sprechen / singen. Apropos singen: er gibt dann irgendwann in der Show ein Lied zum besten und die Zuschauer sollten in bester DSDS-Songquiz-Manier erraten, um welchen Titel es sich handelt. Es handelte sich tatsächlich um “Man In The Mirror” von Michael Jackson, der sich vermutlich nicht nur im Grab umdrehte sondern regelrecht rotierte ob der schlechten Gesangsleistung von Harald. Endlich kommen die in den letzten Shows meist geschonten Buzzer zum Einsatz und zwar von allen drei Jurymitgliedern, was denn Auftritt dann glücklicherweise beendet. Ob der Typ nächstes Jahr wieder erscheinen wird?

Rebecca Mandelkow, 9, Halbbrasilianerin, geboren in Hamburg, lebt in Sevilla
Möchte das Supertalent gewinnen, weil sie gerne nach Deutschland zurück möchte. Ihr einziges Manko: sieht findet Bruce Darnell super, träumt von einer Modellkarriere. Modelt zu Ke$has “TiK ToK“, wobei ich das mehr für hin- und herlaufen hielt. Das hätte unsere Tochter (gerade einmal 6) auch gekonnt. Zwar lobte ihr Idol Bruce sie, aber auch er zweifelte an, dass es sich dabei um ein Supertalent handelt. Sie war aufgrund ihres zu jungen Alters dann auch nicht weiter, bat aber darum, einmal mit Bruce laufen zu dürfen. Der ließ sich natürlich nicht lange bitten. Und so mimten die beiden Unterschiedlichen Menschen zwei Topmodels auf dem Laufsteg. Bruce war, wie immer, in seinem Element.

Jürgen Kröning, 51, “Ideenberater” aus Helsa (Landkreis Kassel)
Super Einspieler, selten so gelacht. Sein Künstlername ist “Danny Durango”. Optisch erinnert mich Jürgen-Danny ein wenig an Quentin Tarantino – keine Ahnung warum. Erzählt uns, dass seine Ex-Managerin ihm gesagt hat, wie auf der Bühne zu agieren hat. Singt “Surfin’ USA” von Leif Garrett (im Original wohl von The Beach Boys), was sich in den von RTL in dieser Sendung anscheinend gerne gezeigten Slowmos wesentlich besser anhört. Bruce buzzert beim ersten Ton, Dieter dann auch, gefolgt von Sylvie. Bruce will eine Regeländerung dahin gehend, dass nicht mehr jeder in die Show kommen kann. Aber mal ehrlich: ohne diese Typen wäre die Einschaltquote nur halb so hoch – oder noch geringer. “Danny Durango” bietet noch einen zweiten Titel an und Bruce sagt ok. Erst dachte ich, der hat einen an der Klatsche, aber er sagte schnell, dass es nur ein Scherz sei. Jürgen ist natürlich nicht weiter.

Christian Gschwend, 30, kaufmännischer Angestellter aus St. Gallen (Schweiz) und
Kay Rauber, 31, gelernter Krankenpfleger, ebenfalls aus St. Gallen
Sind zusammen die Schrottmusiker “Bubble Beatz“. Tauchen mit freiem Oberkörper vor einem Gebilde aus Schrott auf. Kaputte Plastiktonnen, Metallschrott, alles irgendwie nett aufgebaut. Dann trommeln die beiden los und ich denke mir noch ‘Das kann ich auch’, da wechselt einer die Position und hämmert auf unterschiedlichen langen Rohren, die an Orgelpfeifen erinnert, “Insomnia” von Faithless, woraufhin das Publikum entsprechend abgeht (wie immer, wenn es ein Lied erkennt). Das war auch das, was Dieter sagte: “Wenn ihr damit Popsongs umsetzen könnt, dann ist das nicht langweilig.” Somit waren die Jungs weiter.

Janina Hiller, 22, Studentin aus Albershausen (bei Stuttgart) und
Sophia Müller, 16, Schülerin aus Schlierbach (ebenfalls bei Stuttgart)
Die beiden Mädels sind 37-fache deutsche Meisterinnen der Sportakrobatik und zeigen ihr Können auf der Supertalent-Bühne. Ihr Programm zu “All The Lovers” von Kylie Minogue ist wirklch beeindruckend. Bruce, die alte Heulsuse, ist mal wieder so ergriffen, dass er die armen Mädchen erst einmal umarmen möchte. Natürlich sind sie eine Runde weiter.

Umberto Napolitano, 40, Weltmeister im “pizzakrobatisch” und
Nicola Diana (männlichen Geschlechts, was haben die Italiener immer mit den weiblichen Namen für Jungs? Aleksandrah, erklär mir das bitte!), 24, Koch und Pizzaiolo aus Lübeck
Jonglieren mit Pizateig. Irgendwie ist das Ganze aber nicht wirklich überzeugend, das ein der andere Teigstück klatscht da auch schon mal auf den Boden. Während Bruce noch ein ja gibt, erkennen die beiden anderen Jurymitglieder wenigstens, dass das nicht besser werden kann und verhindern mir ihrem “Nein” ein Weiterkommen.

Ruddy Estevez Carabello, 38, ursprünglich aus der Dominikanischen Republik oder auch DomRep, wie die deutschen Touris gerne sagen, jetzt wohl wohnhaft in Göttingen, freiberuflicher Masseur in einem Fitnessstudio
Singt ganz gerne im Opernstyle und schmettert uns “Canto Della Terra” von Andrea Bocelli entgegen und das gar nicht mal schlecht. Während Bruce und Sylvie es toll fanden, interessierte Ruddy vor Allem die Meinung von Dieter, denn laut eigener Aussage wollte er nie mehr singen, wenn Dieter Talentfreiheit attestierte. Und tatsächlich kritisierte Dieter ihn, er sei zu technisch, es fehle Gefühl. Dennoch gab es dreimal das begehrte “Ja”.

Endlich gab es eine Pinkelpause, die auch mehr als nötig war. Weiter ging es dann mit einem weiteren Typen, der anfänglich schwer einzuschätzen war:

Mario Rieger, 43, Bodyperformer und Allroundkünstler aus Baden-Württemberg
Macht uns den Marionator, eine Parodie auf den Terminator. Anfänglich belächelt, leifert er dan eine Choreographie ab, die beim Publikum und Jury anscheinend gut ankam. Ich bin ja der meinung, dass der Robot schon vor Jahrzehnten out war und sein Arschgeweih wohl etwas aus dem Ruder gelaufen ist, aber bitte, mir soll es recht sein. 3 x ja, weiter.

Fabienne “Fabsi” Rothe, 14, Realschülerin aus Dormagen
Ist anfänglich cool, nach ihrer Vorstellung aber auch super nervös. Singt dann irgendwas von Mylie Cyrus. Immerhin sieht sie besser aus, als Hannah Montana, aber gesanglich gab es wohl schon bessere Kandidatinnen in der Altersklasse. Egal, der Pöbel liebt es und es gibt trotz angebrachter Kritik 3 ja.

Mario Teusch, 42, aus Bernkastel-Kues
Muss man ihn noch erklären? Für die Unwissenden: flog bei DSDS 2008 im Casting raus, weil er zu alt war (als ob das der einzige grund gewesen wäre). Sang damals Moviestar. Dieter buzzert schon bei Marios Betreten der Bühne. Nicht gerade nett, aber er konnte sich ja schon denken, was folgt. Mario trug wie gewohnt ein oranges Hemd und diesmal sogar einen roten Sombrero, der Teil seines folgenden Auftritts war. Er sang nämlich “Fiesta Mexicana” von Rex Gildo. Ich hatte sogar den Eindruck, dass er gesanglich im Vergleich zu 2008 echt verbessert hat. Natürlich war er noch immer Welten von schönem Gesang entfernt, was das buzzern der beiden anderen Jurymitglieder auch bestätigte. Das Publikum allerdings schrie nach einer Zugabe, die es dann dank Dieters “24 mal nein” zum Glück nicht mehr gab.

Thomas Lohse, 25, keine Ahnung woher, habe ich nicht verstanden
Präsentiert eine interessante Vorgeschichte: schaffte es als Erster in Deutschland von einer Lernbehindertenschule zum Abitur, macht nun eine Ausbildung zum Fremdsprachenkorrespondenten und spielt leidenschaftlich gern Klavier. Wird vom Publikum anfänglich belächelt, wie er so dasteht in seinem “Kommunionsanzug” wie Dieter es nennt. Spielt dann die Musik aus dem Film “Die fabelhafte Welt der Amelie”, das Stück heißt “Comptine D’un Autre Été, L’après-Midi” von Yann Tiersen und hört sich im Original etwas anders an. Dennoch hat Thomas das sehr gefühlvoll präsentiert, was an seiner Mimik zu erkennen war, beim Publikum leider stellenweise zu gelächter führte, von Dieter aber entsprechend gelobt wurde. Bruce will mehr hören, Thomas spielt noch was und ist dann mit 3 ja weiter. Hier übrigens eine sehr schöne Version mit Video:

Gerhard Donie, 53, Pömplejongleur und Manuel Heister, 28, aus Bad Münstereifel
Die beiden präsentieren eine Torreronummer mit Pömpeln, die weder bei mir, dem Publikum oder der Jury gut ankommt. Nicht weiter.

Yevgeniya Stöcklin, 27 oder 28 (wusste sie wohl selbst nicht mehr so genau), aus Zürich / Schweiz

Ist totaler Dieter Bohlen Fan, kommt ursprünglich aus der Ukraine, wo angeblich alle mit Musik von Dieter Bohlen und Modern Talking aufgewachsen sind und das toll fanden – spricht nicht für die Ukrainer, oder? Na ja, zurück zu Yevgeniya, die an der Stange Polefitness präsentiert, dass sich vom Poledance unterscheiden soll. Egal, Hauptsache die schlanke Blondine im knappen Outfit macht irgendwas an der Stange – sehr zur Freude von Dieter, der dann meint, dass sie “nur Muskeln und zwei kleine Tittchen” hat. Dafür gibt es dann 4 x ein ja, da auch der kleine Dieter nun eine Stimme hat. Zum Glück zeigt er uns das penisbruchgeschundene Teil nicht auch noch.

Kathy Kelly, 49, Sängerin, vermutlich wohnhaft in Gymnich
Teil der Kelly Family, die rund 22 Millionen CDs verkauft haben. Die Kohle ist wohl futsch und Kathy hat einige Zeit keine Musik gemacht, um ihrem Sohn eine gute Mutter sein zu können. Nun ist der Bub alt genug (17) und sie versucht solo wieder an alte Erfolge anzuknüpfen. SIe nimmt ohne das Wissen ihrer restlichen Familie beim Supertalent teil und singt ein Lied, das sie als sie 16 war mit ihrem Vater komponiert hat: “Who’ll Come With Me“. Wurde schon von der Kelly Family gesungen und Dieter hält es für einen künftigen Evergreen. Insgesamt wird ihre Leistung aber angezweifelt, der Vergleich mit den Familie steht im Raum. Sylvie ist dagegen, die beiden Herren der Jury sind dafür und Kathy ist weiter.

Dancefloor Destruction Crew, kurz DDC, bestehend aus 5 Jungs (Daniel, Alex, Jannis, Marcel und Gregorij) aus Schweinfurt
Die Jungs zeigen eine Breakdanceshow mit überraschend guten Elementen und trotz kleiner Patzer kommt es beim Publikum und der Jury gut an. Weiter.

Andrea Paulus, 19, Berufsschülerin aus Laatzen
Präsentiert sich im Enspieler und auf der Bühne als so genannte “Gothic Lolita”, sa für mich aber eher nach einer Mischung aus Adams Family und Marilyn Manson aus. Singt in japanisches Lied, obwohl sie kein japanisch kann. Hört sich fast so lustig an, wie wenn unsere Sechsjährige englisch singt, obwohl sie es nicht kann. Andrea blamiert sich ordentlich, alle buzzern und die leicht Durchgeknallte ist nicht weiter.

Chris Lynam, nach eigener lustiger Aussage 98, aus Simbabwe
Ist zwar ein komischer und verrückter Typ, leider wurde dem Ganzen insofern vorgegriffen, als das der beste Teil seiner Show (nach dem Nackichmachen einen Feuerwerkskörper in den Hintern stecken und anzünden) ja bereits zehntausend mal in der Vorschau zu sehen war. Das nahm dem nackten irgendwie das Skandalöse. Sein Supertalent wird angezweifelt und er ist nicht weiter. Eigentlich schade, der hatte ‘nen schrägen Humor.

Ihr braucht noch ein tolles Geschenk für Autofahrer?

Das solltet ihr euch auch anschauen:

  1. Das Supertalent 2010 – 5. Folge
  2. Das Supertalent 2010 – 7. Folge
  3. Das Supertalent – 4. Folge
  4. Das Supertalent 2010 – 3. Folge
  5. Das Supertalent 2010 – 2. Folge

7 Antworten bis “Das Supertalent 2010 – 8. Folge”

  1. Alta ich bin die Pizzaakrobatischweldmaistar

  2. Ich habs nicht ganz gesehen, doch der Thomas hat mir echt gefallen. Ich mag sowas…Menschen die wirklich mit eigenem Willen etwas erreicht haben. Und dieses Lied das er gespielt hat ist soooooo schön! Euer Video dazu war eine gute Wahl!

  3. @Kalliey(R): mega rofl :mrgreen:

    @Vorstadtprinzessin: Danke. Hatte das Video schon vorher in meiner Playlist, weil ich es echt gut finde.

  4. Hab mal wieder sehr gelacht bei eurem, pardon, DEINEM Review, Marco :-) ))

    Gern erklär ich dir auch das mit den italienischen Vornamen ;-)
    Aaaalso, das ist so:
    In Italien hat mal irgendwer festgelegt, dass Männernamen nicht zwingend in anderen Ländern auch so fürchterlich männlich klingen müssen und somit mit “a” oder “e” enden dürfen. Daher gibt es eben auch ganz viele Namen, die bei uns erstmal für Gelächter sorgen. In Italien ist es eben Standard und es stört sich auch niemand daran.

    Meinem Kind würd ich das allerdings nicht antun…siehe aber diverse Namen wie Nicola, Andrea, Gabriele, Emanuele, Simone, Daniele… ;-)

  5. Freut mich, dass Dir der Beitrag gefallen hat.

    Vielen Dank für die Erklärung. :-)

  6. [...] vorwiegend in Amerika, wenn Mütter anfangen und ihre kleinen unschuldigen Kinder zu Models und Supertalenten machen wollen, ohne dass die Kinder dies wollen oder Spaß dran [...]

  7. Ich habe obwohl das eh bescheuert ist, Supertalent gesehen.
    Ich finde nicht gut, dass Leute, die eh schon Erfolg hatten, so hoch gelobt werden.
    Das ist für mich kein Supertalent. Da arbeiten andere ohne Ende und hätten das auch verdient.
    Dann kommt einer mit Alkohol und Drogen,,O.K.Vergangenheit;; und ist jetzt wieder Star.
    Das ist ja nicht normal.

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