Dauerwerbeblog

Wollte man früher berühmt werden, absolvierte man eine Ausbildung an einer Schauspielschule, spielte an einigen Theatern und versuchte in Fernsehproduktionen Fuß zu fassen. Mit viel Glück wurde man entdeckt, landete in einem Kinofilm, wurde zum gefeierten Star und irgendwann gab es Merchandisingpüppchen von einem. Das war früher. Heute reicht es, wenn man entweder blond, operiert und penetrant ist oder einen Schrottplatz betreibt.

Wir sehen eine Küche, für deren Beschreibung mir sämtliche Worte fehlen. Ich versuche es trotzdem. Die 50er-Jahre-Blümchentapete wirkt schon leicht speckig und von Nikotin verunreinigt. Die Kamera schwenkt und wir sehen einen übergewichtigen Herrn, der aussieht, als sei er von der Bahnhofsmission zurück gekehrt. Er sitzt auf einem alten Holzstuhl, der trotz seines sichtlichen Alters noch eine enorme Tragkraft zu haben scheint. Das Telefon läutet und der Mann meldet sich – ich verstehe ihn kaum. Er erzählt seinem auf der anderen Seite des Tischs sitzenden Bruder, welches Bauteil der Anrufer sucht. Der Bruder steht auf und brüllt das Gewünschte aus dem Fenster.

Ein weiteres Schwergewicht trottet durch eine Halle, in der sich Schrotthaufen deckenhoch stapeln. Angeblich weiß er genau, wo jedes Teil liegt. Und so zieht er das Gewünschte auch in kürzester Zeit aus einem Haufen, brüllt die Bestätigung nach oben und der Bruder am Fenster gibt die Information über das Vorhandensein sowie den Preis an den Telefonbruder weiter, bevor er sich zu Bruder Nummer 4 gesellt und noch einen Unfallwagen zum Zerlegen einsammelt. Der Telefonbruder mutiert derweil zum Kochbruder und fabriziert in Töpfen, bei deren Anblick jeder Prüfer vom Ordnungsamt sofort das kalte Grauen bekommen würde, ein paar Nudeln.

Als normal denkender Mensch drängt sich die Frage auf: “Wer will so etwas sehen?” Die erschreckende Antwort: “Viele!” Was eigentlich eher zufällig als Kurzportrait einer lokalen Produktion begann, artete schnell aus. Über kurze Dokumentationen in 3. Programmen kam bald der Sender DMAX und machte eine eigenständige Doku-Soap daraus. Letztendlich gab es sogar einen Kinofilm und als ich letztes  Jahr in der Spielwarenabteilung stand, um Geschenke für unsere Kinder zu kaufen, sah ich kleine Ludolffiguren neben Modellautos stehen.

In meinen Augen ist das eine Art kultureller Untergang. Andererseits zeigt es aber, dass jeder Mensch einen gewissen Ruhm erlangen kann, wenn es nur genügend Leute gibt, die einen warum auch immer gut finden. Wann werden wir wohl Kultstatus erlangen? Groupies haben wir ja schon …

Das solltet ihr euch auch anschauen:

  1. Verdachtsfälle : Wenn der Bruder mit der Schwester – Inzest auf RTL …

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