Letzten Freitag fuhren wir nach Aachen, da wir in der Stadt etwas zu erledigen hatten. Immer wenn es mich in die Aachener Innenstadt treibt, muss ich in die Fußgängerzone, um eine Bratwurst zu essen. Früher standen noch zwei Männer dort: einer mit blauem Sonnen-/ Regenschirm, einer mit einem gelben Exemplar. Den blauen Schirm habe ich aber schon lange nicht mehr gesehen – vielleicht hat er aufgegeben. Wäre auch nicht meins, den ganzen Tag mit so einem Riesenbauchladen in der Fußgängerzone rumzustehen. Aber der Herr unter dem gelben Schirm ist Kult und die Bratwurst im Brötchen – wahlweise mit Senf oder Ketchup oder beidem – ist echt lecker.
Ihr fragt euch jetzt bestimmt: “Was hat der denn geraucht? Wieso textet der uns hier mit seinen Essritualen voll?” Ganz einfach: als wir uns dem gelben Schirm am Freitag näherten, fiel mir ein Kamera auf, die von “Kreativen” sowie einem technisch Versierten mit Kopfhörern und Rucksack voll Technik umringt war. Die Kamera zielte auf “meinen” Bratwurstmann. Der Herr, den ich mit dem roten Pfeil markiert habe, stellte sich bei den Aufnahmen immer neben den Bratwurstmann.
Erst dachte ich an einen Trupp vom WDR, die Aufnahmen für die Lokalzeit aus Aachen aufnehmen, aber auf der Kamera war keiner der üblichen WDR-Aufkleber zu entdecken. Das war aber nebensächlich, denn der Gedanke daran, in Aachen gewesen zu sein und keine Bratwurst gegessen zu haben, ließ mich näher treten. Ich sah Würstchen auf dem Grill liegen und es keimte wieder Hoffnung auf. Als jemand “Bandwechsel” rief und der Techniker an der Kamera rumfummelte, nutzte ich meine Chance, kaufte eine Wurst und fragte den Verkäufer, was hier los sei. Er ist ein Komiker und so antwortete er, dass er groß im Pornogeschäft rauskommen will. Ich wusste, dass ich keine gescheitere Antwort erhalten würde und riet ihm, bei der nächsten Einstellung seine Klamotten vom Leib zu reissen.
Mit der Bratwurst in der Hand stellte ich mich an den Rand und während meine Frau durch ein Klamottengeschäft tingelte, beobachtete ich während des Verzehrs das weitere Treiben. Drei neben mir stehende Jugendliche unterhielten sich und der letzte Dazugekommene fragte, für welchen Sender die drehen, was einer der Coolen, der sich in der nächsten Szene natürlich zum Wurstkauf vor die laufende Kamera drängen wollte, mit “Für Vox, Alta!” beantwortete.
Ich näherte mich unauffällig und tatsächlich konnte ich hören, wie mein Bratwurstmann von einem aufgerollten Din A4-Blatt irgendetwas von einer Vorspeise vorlas und kommentierte. Das hörte sich stark nach “Das perfekte Dinner” an. Auf der Kamera war dann noch der Name der Produktionsgesellschaft zu lesen und Recherchen im Internet ergaben, dass diese tatsächlich das besagte Dinner produzieren.
Während das Promidinner aufgrund seiner X-, Y- und Z-Promis schon reichlich uninteressant ist, hat mich die Variante mit “normalen” Menschen nie interessiert. “Meinen” Bratwurstmann würde ich aber schon gerne in dieser Sendung sehen, denn mich würde interessieren, was es bei ihm wohl als Hauptspeise gibt.







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