Dauerwerbeblog

Wenn wir diesen Beitragstitel melodisch so vortragen, wie Ingrid Steeger in Klimbim die Zeile “…dann mach ich mir ‘nen Schlitz ins Kleid und find das wunderbar” (was heute vermutlich außerhalb des Seniorenstifts, in dessen Keller ich scheinbar gefangen gehalten werde, niemand mehr kennt), dann ist wenigstens das schön. Aber warum ein Mensch beim Supertalent auf die Bühne tritt und erst ein Modell frisiert, sich dann aber als großen “Showact” selbst die lange Mähne vom Kopf rasiert, versteht vermutlich niemand. Ein Talent konnte ich darin auch nicht entdecken, denn der Schnitt an seiner eigenen Rübe war nicht mal sonderlich präzise.

Kann es eigentlich noch schlimmer kommen? Kann man vielleicht im Vorfeld mal festlegen, wie man “Talent” definiert? Oder kann ich da auch hingehen, wenn ich mir selbst die Beinhaare mit Wachs entfernen kann, ohne dabei wie ein kleines Mädchen zu schreien? Fragen über Fragen …

So langsam ist die Zeit gekommen, dass “der RTL” sich bei uns bedanken sollte, denn wieder haben wir ein neues Opfer einen neuen Zuschauer gebracht. Mein Cousin kannte das Format “Schwiegertochter gesucht” nämlich noch gar nicht und schaute nach ersten Erzählungen doch eher ungläubig. Gut, dass die Küchenuhr bereits 19.00 Uhr anzeigte und so erhoben wir uns nach dem Essen und begaben uns Richtung Couch vor den Fernseher. Schon im Vorgeplänkel zur Sendung folgte der erste laute Lacher meines Cousins und ich wusste, dass RTL einen neuen Fan hat. Schuldig in allen Anklagepunkten.

Erst gestern hatte ich die erste Folge auf RTL now im Internet gesehen, da ich sie leider verpasst hatte. Jens hatte sich ja in der Zusammenfassung zur 1. Folge bereits über die Teilnehmer ausgelassen und gestern war auch keinerlei Besserung in Sicht. Ich greife das alte Prinzip auf und gehe nach Namen der Teilnehmer vor bei meiner seelischen Verarbeitung des fast schon traumatisch anmutenden gestern Gesehenen, in der Hoffnung, keinerlei Folgeschäden davon zu tragen

Markus – Claudia und Bianca
Gestern war wohl Gegenteiltag, denn irgendwie war alles wie eine verkehrte Welt. Markus ging mit seinen “Früchtchen”, wie Vera Int-Veen die beiden Damen betitelte, ins Erdbeerfeld zum Pflücken der roten Leckereien. Und dann, fast schon nebenbei verliebten sich etliche männliche Zuschauer direkt in die sonst eher bedächtige Hotelschläferin Claudia, als sie äußerte, dass ein Mann ruhig mal “ins Puff” gehen könnte. Sie würde sich dadurch nicht betrogen fühlen. Ich wette, dass bei RTL schon die Telefonleitungen glühen und das obligatorische info@-Postfach auch schon überquillt. Wenn Claudia jetzt noch Chips selber macht und ihr Vater ‘ne Brauerei betreibt, ist alles perfekt. Ach ja, da war ja noch die in der ersten Folge so vorlaute Bianca, die sich gestern beim Saufen und Tanzen zuerst etwas zierte, dann aber selber zugab, dass der ganze Kram nur besoffen zu ertragen ist (oder so ähnlich ;-) ).

Marco – Sabrina und Nicole
Leider ließ der noch immer in den 80er Jahren gefangene Marco (ich mag meinen Namen nicht mehr – Vorschläge für einen Wechsel?) diesmal das Jeanshemd aus, vermutlich hat er nur noch eins und das muss ja auch mal gewaschen werden. Die ebenfalls in einem Land vor unserer Zeit gefangene Sabrina sieht nach dem Aufstehen rein frisurtechnisch schon ausgehfertig aus, doch erst der richtige Fummel (in ihrem Fall dass hässliche Schwarze) rundet das Bild ab. Nicole wundert sich und Marco checkte die beiden Damen erst mal ausgiebig ab, inklusive auf den Arsch starren. Toller Typ. In der Dorf-Disco versuchte er mal wieder, sich die Damen mittels Alkohol gefügig zu machen, was bei Sabrina, die demnächst bestimmt einen Werbevertrag von den Heinis mit den Weihnachtstrucks angeboten bekommt, eher suboptimal funktionierte. Immerhin Nicole roch den Braten nicht und landete später mit Marco zum Nächtigen in einem Zimmer – immerhin auf zwei unterschiedlichen Sofas, denn die rumzickende Sabrina lag ja nun alleine im Doppelbett. Herrlich …

Christian – Joan und Almut
Der / Die / Das Christian nahm seine beiden sich überhaupt nicht ähnelnden Grazien mit auf einen Flohmarkt. Joan natürlich wie üblich auf Hochhakckigen unterwegs, Almut wie üblich mit PSB-Fan-Hut. Das Feilschen bei den Händlern übernahm Christian, wobei das von der Stimme her nicht leicht zu erkennen war. Almut bekam Postkarten für 5 Euro, Joan Schmuck für 2,50 Euro – der Christian ist echt ein Gönner. Zu Hause ging es dann zur Sache und ein Schelm, wer nun Böses dabei denkt, als Joan die Frage “Willst Du mal heiraten?” mit “Ja, morgen?!?” beantwortet.

Maik – Kathleen und Julia
Ganz ehrlich? Wenn ich als Frau bereits im Nachtgewand befindlich an meinem Geburtstag mit verschlossenen Augen in das Schlafzimmer des möglicherweise zukünftigen Geschlechts Lebensabschnittpartners geführt werde und mir dann als Überraschung neben einem überdimensionalen Stofftier sitzend ein paar mittlerweile wieder ausgegangene Kerzen angucken darf, die in einem Stück Discounterkäse stecken, wäre ich noch im Nachthemd abgereist. Nicht so Julia, die das alles total toll fand. Sehr bescheiden. Das Anspruchsdenken mancher Frauen, die ich kenne, ist da irgendwie höher. Könnten sich hier bitte mal die mitlesenden Damen zu Wort melden, ob ihnen das reichen würde? Danke.

Andy – Melanie und Mary
Andy ist 24, leidenschaftlicher Bäcker und Jungfrau. Hier ist wohl nicht das Sternzeichen gemeint. Andy wohnt zusammen mit seinem Vater in einem recht ansehnlichen Haus (das man nicht mit Schuhen betreten darf) mit Pool. Man macht gerne Kesselgulasch im Freien, was die Melanie zu ihrem Geschenk inspirierte: Fleisch. Gut, lag nah, schließlich ist Fleischereifachverkäuferin. Das Klischee erfüllend natürlich eine kräftig gebaute, was der Andy auf dem Foto aber wohl nicht sah. Da er nach eigener Aussage eher auf schlanke Mädels steht, kann wohl eher die Quotenschönheit Mary punkten, die anscheinend eine Wette verloren hat und sich deshalb bei diesem Format bewerben musste.

Hab ich wen vergessen? Keine Ahnung.
Fakt ist: Wer auf einer stundenlangen Zugfahrt in einem unklimatisierten Abteil der Holzklasse ungekühlt Lebensmittel mit sich rumschleppt, um diese dann dem Auserwählten als Geschenk zu überreichen, handelt grob fahrlässig, oder?
Wir haben wieder mal viel gelacht und es sind die Kleinigkeiten, die einen dazu bringen, die ich mir aber nicht merken kann und will. Und mit Block und Stift Fernsehen ist mir zu stressig.

PS.: Hallo liebe Weltverbesserer,
ja, wir lästern hier über Menschen. Diese haben es sich aber selbst ausgesucht. Wer nicht vorgeführt werden will, bleibt zu Hause und bewirbt sich nicht bei RTL. Basta!

Das telemediale Sommerloch erfreut uns mit Serienwiederholungen, Filmwiederholungen und anderen Wiederholungen. Also stürzt man sich automatisch auf alles Neue, um dem schon zu oft Gesehenen zu entfliehen. RTL lockte mit der neuen Show “Es kann nur E1NEN geben” (fast schon nerdig geschrieben, oder?).

Erster Haken der Show:
Oliver Geissen moderiert. Fand ich den früher noch lustig, geht er mir mit seiner Never-ending-Chart-Show, in der man immer die gleichen alternden Stars nur halt immer zu einem anderen Thema sieht, einfach nur noch auf das Gehänge im Schritt.

Zweiter Haken der Show:
Die “Prominenten” in der Jury. Nicht mein Fall. Alles RTL-Recycling vom Feinsten.

Dritter Haken der Show:
Das Grundprinzip ist geklaut. Klar, man kann das Rad nicht neu erfinden, aber ich gucke zehnmal lieber “Sag die Wahrheit” auf dem SWR, als diesen billigen Abklatsch in typisch hektisch bunter RTL-Manier.

Letztendlich hat man es mal wieder nicht geschafft, mich dauerhaft vor des Deutschen liebsten Unterhaltungsapparat zu fesseln. Vielleicht sollten wir uns mal neue Sendungsformate ausdenken und auch schon die darin vorkommenden Moderatoren, Kommentatoren, Jury-Mitglieder und andere Flitzpiepen,die da so durchs Bild huschen, bestimmen. Ideen? Irgendwer?

Witzig, extrem mondän und gut dosiert selbstkritisch – “Royal Pains” ist u. a. nach „Monk“ und “Psych” das nächste Serien-Highlight mit Kultpotenzial des Senders USA Network. Ab 17. Mai 2011, um 22.15 Uhr, zeigt RTL die erste Staffel (12 Folgen) und fünf Folgen aus der zweiten Staffel der erfolgreichen Arztserie um zwei unterschiedliche Brüder, die sich in einem völlig neuen Lebensumfeld behaupten müssen.

Obwohl – “Royal Pains” ist keine Arztserie im klassischen Sinne. Zwar bietet die Serie jede Menge spannende und außergewöhnliche Medizinfälle, doch weitere Gründe für den großen Erfolg dürften mit Sicherheit der trockene Humor, die einzigartigen Charaktere sowie die traumhaften Kulissen sein. Es gibt nur wenig Plätze auf der Welt, an denen sich die Superreichen ein solches Paradies geschaffen haben wie auf Long Island. Auf dieser Insel, rund 150 Kilometer von New York entfernt, befindet sich die wohl reichste Region der amerikanischen Ostküste – die Hamptons. Und genau dieses exklusive Fleckchen Erde mit seinen Traumstränden und Mega-Villen nahm Drehbuchautor Andrew Lenchewski zum Spielort seiner neuen Erfolgsserie. Die neue Feelgood-Serie rund um den Arzt Dr. Hank Lawson erwies sich in den USA als einer der besten Serienneustarts der letzten Jahre. Über sechs Millionen Zuschauer verfolgten die Pilotfolge im Juni 2009 auf dem Kabelsender USA Network – der Sender, der bereits für Serienerfolge wie u. a. „Monk, “Burne Notice”, “Psych” oder “White Collar” verantwortlich ist. Im Juni 2010 startete die zweite Staffel, die mit 5,84 Millionen Zuschauern nahtlos an den Erfolg der ersten Staffel anknüpft – und eine dritte Staffel beginnt bereits in diesem Jahr.

Hier schon mal der Inhalt der 1. Folge / der Pilotfolge von Royal Pains: [Achtung Spoiler]
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Da Kollege Jens gerade mit wichtigeren Dingen (als ob es die gäbe) beschäftigt ist, soll ich hier was zur gestrigen Folge von RTLs tollem Dschungelcamp-Format schreiben. Glück gehabt, denn ich habe den Schwachsinn das erste Mal gesehen, wenn auch nicht von Anfang an. Eigentlich sah man neben der Dschungelprüfung (der berüchtigte Straußenkäfig), die von Peer und Thomas bestritten wurde, auch nur Indira und Jay beim Knutschen, Indira und Jay beim Flüstern, Indira und Jay beim Baden, Indira und Jay beim mir auf die Nüsse gehen. Hört sich an wie eine neue Barbiepuppenkollektion, oder?

Angeblich soll es noch weitere “Stars” im australischen (Studio-) Dschungel geben, die man aber nur kurz beim Votingaufruf zu Gesicht bekam. Und bei der anschließenden Verkündung, wer den Campingurlaub für Fortgeschrittene frühzeitig beenden darf. Diesmal traf es Monsieur Carrière und so hieß es heute “Adieu, Mathieu!” (Sorry, den Flachwitz konnte ich mir nicht verkneifen.)

Schalten Sie auch heute wieder ein, wenn es heißt: Indira und Jay beim Fummeln, Indira und Jay beim Austausch von Körperflüssigkeiten, Indira und Jay beim Madenessen und Indira und Jay gegen den Rest der Dschungel-Welt.

Seit 15 Jahren arbeitet Ursula Hoyer in der Weinstube Dietz, seit 2003 gehört ihr das unter Denkmalschutz stehende Etablissement sogar. Dennoch wird bei der leicht lethargisch wirkenden 45-Jährigen schnell klar, woran es hapert: mangelnde Konsequenz. Und viel schlimmer: mangelnde Weinkenntnisse. Und das nicht nur bei der Blondierten selbst, sondern auch beim gesamten Personal, dass die Ja-Sagerin aber eh nicht unter Kontrolle hat.

Und so ruft sie Christian Rach ins bayrische 14.000-Seelen-Dorf Mindelheim, damit er de n Psychologen raushängen lässt. Was das ganze noch mit Kochen zu tun hat, entzieht sich meiner Kenntnis, aber egal. Die Hobbyköchin lässt ihm halbwegs brauchbare Speisen servieren, gibt sich sonst aber eher wortkarg. Die seit 1895 existierende Weinstube hat 7 Tage die Woche geöffnet, was ihren Burnout erklärt.

Also verordnet der Sternekoch folgende Therapiemaßnahmen: die Einführung eines Ruhetags, die Einnordung des Servicepersonals sowie eine Weinschulung für alle. Außerdem soll ein wenig umgeräumt werden, damit die Nebenräume besser genutzt werden können. Gesagt, getan. Zusammen mit ihrer Freundin und ungelernter Servicekraft Karin Schulz macht sich Uschi an die Umsetzung der Vorgaben, stößt dabei allerdings erneut an ihre Grenzen. Die Personalversammlung endet im Zickenkrieg, bis Rach ein Machtwort spricht.

Danach läuft natürlich alles super, es wird geräumt, geputzt, es gibt neue Gerätschaften und einen neuen Bereich namens Brentano – Stube. Der Sonntag wird als Ruhetag auserkoren, da dieser laut Steuerberater am umsatzschwächsten ist. Nach 8 Wochen kehrt der Restauranttester an den Ort des geschehens zurück und muss feststellen, dass noch immer wenig los ist und Ursula sich nicht an die Abmachung gehalten hat. Mit der Begründung “Die leute müssen sich erst daran gewöhnen.” gab es erst 2 Sonntage, an denen die Weinstube Dietz geschlossen war.

Nach seinem Standardsatz, dass er sich unter der und der Voraussetzung keine Sorgen um den Laden machen brauche, verließ er das Lokal, dessen Pleite vermutlich nur durch diese RTL-gesponserte Publicity verhindert wird. Ich fordere einen weiteren Besuch nach einem längeren Zeitraum.

Ich weiß nicht, nach welchen Kriterien RTL die notleidenden Restaurants beziehungsweise deren Betreiber auswählt, aber diesmal ging es wieder stark in die Richtung des aktuellen DSDS-Mottos: lass uns Leute vorführen, die für einen Großteil der Menschheit nicht mehr alle Latten am Zaun haben. Und so ging es in der gestrigen Folge von “Rach, der Restauranttester” zu einem italienischen Restaurant nach Ludwigshafen. Christian Rach steht also vor einen Fensterfront, an der von innen ein Karton klebt, auf dem “Trattoria Fellini al Teatro” steht.

Drinnen erwarteten ihn die drei “K”: Kunst, ein Künstler und ein Koch. Die beiden Geschäftsführer und gleichzeitig einzig Angestellten Michele Pennella (39, gelernter Koch) und Michael Meier di Santi (45, Diplom-Irgendwas und Künstler) versuchen wohl seit drei Jahren mit ihrem Konzept beim Gast zu landen. Das Anspruchsdenken ist hoch, man sieht die Klientel im Theater- und Künstler- bzw. Kunstliebhaberbereich. Rachs einfache Frage dazu: “Wovon lebt ihr?” wirft eine Antwort auf, die eher tragisch ist: Freunde haben den beiden Traumtänzern Kredite gegeben.

Es folgte die Bestandsaufnahme, die zu Tage förderte, dass der ganze Kunstkrempel Platz kostet, es aus Gründen falscher Konzessionierung nur Platz für 14 Gäste gibt, die aber eh nicht bedient werden könnten, da der Koch aufgrund fehlender Vorbereitung viel zu langsam ist. Die nur 7 m² kleine Küche ist ein Chaos, halb defekt, halb nicht bezahlt und noch in Schutzfolie gehüllt, für den Fall, dass die Geräte wieder abgeholt werden. Das Gas für den Herd kommt aus einer Gasflasche, einen Dunstabzug gibt es nicht. Es gibt nur eine handvoll Teller und Gläser. Der Keller ist ebenfalls grausig, wahl- und planlos vollgestellt mit Kartons, die Geschirr, Klopapier und Lebensmittel enthalten. Die Regale, auf die man den Kram räumen könnte, stecken in den Kartonbergen.

Schnell wird klar, warum die beiden Verantwortlichen schwarz tragen, denn eigentlich müsste man den Laden direkt zu Grabe tragen. Aber Christian Rach tut, was ein Sternekoch bei RTL tun muss: Er holt ein paar Küchenprofis, erweitert die Konzession, schmeißt Kunst raus, um Platz für weitere Gäste zu schaffen. Leider tauchen die Betreiber zum vereinbarten Küchenmontagetermin nicht auf, da sie müde waren. Rach droht medienwirksam damit, die Sache hinzuschmeissen und schon brummt es. Dem Koch wird gezeigt, wie er sich in seiner neuen Küche organisiert, dem Künstler, der gleichzeitig Servicekraft ist, wird ein Haargummi geschenkt. Ins Fenster kommt der Name in größeren Buchstaben – direkt geklebt, nicht wieder auf einen Karton geschrieben.

Zur großen Neueröffnung ist der Laden wie üblich voll(er Statisten?), aber bei der Nachkontrolle einige Wochen später auch schon wieder leer, da die beiden Italiener lieber abwarten, dass die Leute zu ihnen kommen, anstatt aktiv zu akquirieren. Dafür hat Christian Rach dann Flyer mitgebracht, auf denen ins Restaurant eingeladen wurde. Vermutlich hätte besser “Restaurant in guter Lage (direkt am Theater) zu vermieten!” drauf gestanden.

Vergangenen Mittwoch moderierte Steffen Hallaschka das erste Mal die von Günther Jauch an ihn übergebene Sendung stern TV auf RTL. Und wenn man der einhelligen Pressemeinung glauben darf, war es ein gelungener Auftakt. Sicherlich ist es nicht leicht, einen Moderator zu ersetzen, wenn dieser 20 Jahre lang durch eine Sendung geführt hat. Aber den Meldungen nach meisterte der Neue seine Aufgabe mit Bravour. Ich muss zugeben, dass ich nur rund 15 bis 20 Minuten der Sendung mitbekommen habe. Und tatsächlich machte Steffen Hallaschka einen lockeren und souveränen Eindruck.

Allerdings sah es zeitweise so aus, als würde man eine Parodie à la Switch reloaded sehen. Das Hauptmerkmal war nämlich noch immer vorhanden: die Moderationskärtchen. Und Herr Hallaschka agierte mit diesen Dingern genauso wie sein Vorgänger, wirkte manchmal gar wie ein Günther-Jauch-Klon, was Mimik und Gestik anging.

Es wird also an alten Traditionen festgehalten und der einzig frische Schwung besteht aus einem neuen Moderator, der es aber auch nicht schafft, dem Format etwas Neues mitzugeben. Ergo bleibt alles beim Alten, das ja auch nicht schlecht war. Einzig das zu sehende Gesicht ist ein anderes, aber das kann der treue Zuschauer sicherlich verkraften.

Am gestrigen Montag, den 10.01.2011, war es endlich so weit: Christian Rach, der Sterne-Koch aus Hamburg, wie er von RTL so gerne bezeichnet wird, startete in die 5. Staffel von Rach, der Restauranttester, seiner Coachingshow, in der er maroden Restaurants und deren Besitzern wieder auf die Beine hilft.

Dieses Mal ging es nach Bayern, es hieß also nicht “Ein Bayer auf Rügen”, sondern “Ein Hamburger in Bayern”. Das wäre ja aber gar nicht so tragisch. Viel schlimmer war, dass das Motto der gestrigen Sendung “Ein Franzose in Bayern” oder so. Das wiederholte der Christian Rach nämlich ständig. Doch eigentlich machte sich bei den meisten Zuschauern erst einmal Enttäuschung breit: Christian Rach betrat ein sauberes Restaurant und bekam halbwegs leckeres Essen mit kleinen in der Mikrowelle erwärmten Ausnahmen. Warum flog Christian Rach also nach Bayern?

Bereits am Flughafen gab es die Antwort, denn dort arbeitet Tanguys Frau Monika Doron, die den Laden ihres Mannes wohl mit ihrem Gehalt am Leben hielt. Das machte den Mann mir schon direkt unsympathisch, denn es handelte sich nicht um eine  ein- oder zweimalige Hilfe, sie unterstützte ihn schon geraume Zeit finanziell. Doch warum spülte der Laden kein Geld in die Kasse? Weil der kleine Franzose sich in den Kopf gesetzt hatte, in einem Wohngebiet in einem bayerischen Ort ein französisches Restaurant zu eröffnen, auf dessen Speisekarte Muscheln, Froschschenkel und andere Leibspeisen der Menschen aus dem Land des Eiffelturms zu finden waren. Da waren wir auch schon beim nächsten Problem, denn neben schlechter Lage und für die Gegend falscher Speisekarte hatte die Gaststätte keinerlei französisches Flair. Einzig ein Bild des besagten Eiffelturms konnte das Klischee der deutschen Kundschaft erfüllen. Ansonsten sah es aus wie eine italienische Pizzeria, was hauptsächlich daran lag, dass es vorher auch eine war, Tanguy das Inventar so übernommen und fast unverändert gelassen hat.

Der Auftrag war klar: entweder den Laden aufgrund der miesen Lage schließen oder aber mehr Klischees erfüllen und die Speisekarte den bayrischen Essgewohnheiten anpassen. Man entschied sich für die zweite Lösung, verpasste dem Laden einen neuen Anstrich, der meiner Meinung nach aber auch kein französisches Flair widerspiegelte, hing ein paar mehr Bilder auf, stellte ein altes Weinfass in den Gastraum und kreierte eine Brotzeit mit französischem Einschlag.

Und schwupp, da war die Hütte voll und auch beim Kontrollbesuch war wie so oft in diesem Format alles super. Friede, Freude, Eierkuchen … oder Crêpes, wie es in Frankreich heißt. Ganz ehrlich, obwohl Rach sich nach eigener Aussage bei der Interaktion mit dem Mann mit dem französischen Akzent köstlich amüsiert hat und diese Folge zu seinen liebsten zählt, fand ich es eher zum Abschalten. Der Franzose, der zweimal im Monat 370 km in den Elsass fährt, um dort in der Metro, immerhin ein deutscher Großhandelsladen, einzukaufen, war langweilig, ein Ja-Sager und zwischendurch auch ein beleidigtes Leberwürstchen. Und letztendlich wurde ein wenig der (falsche?) Eindruck vermittelt, dass man keine Standortanalyse vor der Geschäftseröffnung betreiben muss. Denn wenn es mal nicht läuft, braucht man nur einen Maler kommen lassen. Und ein Kamerateam von RTL. Und schon brummt der Laden. Schöne heile Welt.

Gestern war es so weit, Günther Jauch wollte seine letzte Sendung von “stern TV” moderieren und an Steffen Hallaschka übergeben, der die Sendung ab dem 12.01.2011 moderiert. Einen Rückblick kündigte Jauch an, aber sein Team spielte ihm “übel” mit, Thorsten Schorn nahm ihm seine geliebten Moderationskärtchen weg und zeigte einen etwas anderen Rückblick, in dem der Chef Jauch nicht immer gut weg kam. Ebenfalls in der Sendung waren Atze Schröder, der sich als Günther Jauch verkleidet hatte und Oliver Pocher als Feuerwehrmann (beides Anspielungen auf alte Beiträge), Barbara Schöneberger lästerte über Jauchs Klamotten in den 90ern.

20 Jahre und 953 Sendungen stern TV mit Günther Jauch – geht das wirklich ohne ihn? Ist das nicht wie “Knight Rider” ohne KITT, Lichter ohne Lafer, Dick ohne Doof und “Dalli Dalli” ohne Hans Rosenthal? Ich glaube, es geht ohne ihn. Denn letztendlich ging es um die Beiträge und die Menschen. Und aus diversen anderen Sendungen weiß man, dass ein Moderatorenwechsel erst einmal komisch ist, der Zuschauer sich aber schnell an das neue Gesicht gewöhnt und irgendwann weiß keiner mehr, dass der Günther Jauch das auch mal moderiert hat. Oder wer weiß noch, wer vor Thomas Gottschalk schon alles “Wetten, dass …?” moderiert hat? Oder wer vor Guido Cantz durch “Verstehen Sie Spaß?” geführt hat?

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